Meine Lieblingsbücher 2016

Ich bin schon immer eine große Leseratte gewesen, die vor etwas über einem halben Jahrhundert mit Astrid Lindgren, Jim Knopf und Karl May und so begonnen hat. Rund 10 Jahre später bekam ich von Mutter mal Geld, um mir neue Stiefel zu kaufen, weil meine alten schon ziemlich aus dem Leim waren. Ich fand allerdings, daß sie noch gut eine Saison durchhalten würden, so daß ich von dem Einkaufstrip nicht mit Stiefeln sondern mit einem halben Dutzend Romanen von nordamerikanischen Literaturnobelpreisträgern zurückkehrte, was den Beginn meiner lebenslangen Liebe zu Hemingway, Faulkner und Steinbeck markierte.

1977 hatte ich – zuerst im Eschhaus, und ab 1984 an der Volkshochschule – mit Gitarrenunterrichtgeben begonnen und mir von dem Honorar vor allem Bücher gekauft, so daß ich seitdem nie wieder ohne noch mindestens ein nicht gelesenes Buch zuhause zu haben auskommen mußte. Meine bevorzugte Lesezeit ist bis zum Ende der 80er Jahre die Nacht gewesen, häufig bis 3 oder 4 Uhr morgens, und ich hatte es mir damals seltsamerweise zur Pflichtaufgabe gemacht, alle begonnenen Bücher auch zu Ende zu lesen und es in meinen besten Zeiten auf rund 100 Bücher im Jahr gebracht.

In den 90ern hatte ich meine Abende dann meistens mit Saufen vergeudet – da ging natürlich nicht mehr viel mit Lesen -, und im neuen Jahrhundert, als ich endlich wieder trocken war, habe ich (weil ich nachts einfach nicht mehr genügend Konzentration besaß) die morgendliche Zeitungslektüre [standen eh meist nur schlechte Nachrichten drin!] dann komplett durch Belletristik ersetzt. Und so halte ich es auch heute noch: aufstehen, Tee machen, ins Bett legen und lesen, einen zweiten Tee machen und weiterlesen, bevor ich nach einer erfrischenden Lesestunde endlich meinen Arbeitstag beginne.

Auf 100 Bücher im Jahr komme ich bei diesem relativ geringen Zeitaufwand allerdings nicht mehr, doch sind es 2016 immerhin noch 40 komplett gelesene Bücher gewesen, und 17 weitere habe ich [nach 30 bis 338 Seiten] wieder beiseite gelegt. “Ich habe einfach nicht mehr die Zeit, Bücher auszulesen, die mir nur bedingt gefallen” hat Elke Heidenreich sinngemäß mal vor einigen Jahren gesagt, bevor sie fortfuhr: “und auch keine Zeit mehr, mit Leuten zu reden, die mich nicht besonders interessieren.” Eine sehr vernünftige Einstellung, wie ich finde.

Unter den 40 im vergangenen Jahr gelesenen Büchern sind auch ein paar wenige gewesen, die ich mehr als nur gut fand, die mich während der Lektüre regelrecht begeistert haben und die ich nachfolgend kurz vorstellen möchte. – Die erklärenden Texte dazu sind meiner großen Bücher-Tip-Seite entnommen.


Zum erstenmal gelesen
:

Emma Donoghue, “Raum”
xx[Roman, 2010 unter dem Titel "Room" veröffentlicht, seit 2011 in deutscher Übersetzung von Armin Gontermann vorliegend, 410 Seiten]
xxDer Ich-Erzähler dieses sprachlich ungewöhnlichen Romans ist ein fünfjähriger Junge mit natürlich noch recht simpler Ausdrucksweise, der seit seiner Geburt mit seiner Mutter in einem 14 Quadratmeter großen Raum lebt und diesen für die ganze Welt hält. Bis ihm seine Mutter eines Tages erklärt, daß es noch ein riesengroßes Draußen gibt und sie beide hier gefangengehalten werden. Und dann wird ein Fluchtplan geschmiedet…


John Williams, “Butcher’s Crossing”

xx[Roman, 1960 veröffentlicht, seit 2015 in der Übersetzung von Bernhard Robben endlich auch auf deutsch vorliegend, 365 Seiten]
xxNordamerika 1870. Ein studierter junger Mann aus Boston kommt nach Butcher’s Crossing, einen kleinen Ort am Rande der Zivilisation, um die wahre Natur des Westens kennenzulernen und schließt sich dort ein paar Büffeljägern an. // Ein realistischer “Western”, in dem allerdings weder Indianer noch Schießereien vorkommen.


Bruce Springsteen, “Born to Run”

xx[Autobiographie aus dem Jahr 2016, in deutscher Übersetzung von Teja Schwaner, Daniel Müller, Alexander Wagner und Urban Hofstetter vorliegend, 666 Seiten]


Wiedergelesen (zum 3. oder 4. Mal)
:

John Steinbeck, “Jenseits von Eden”
xx[Roman, 1952 unter dem Titel "East of Eden" veröffentlicht, seit 1953 in deutscher Übersetzung von Harry Kahn vorliegend, 572 Seiten]
xxWer nur den gleichnamigen Film mit James Dean kennt, kennt nur das letzte Viertel des Buches. // Der Romantitel bezieht sich auf eine Stelle aus der Bibel, und die Hauptthematik des Buches hat viel mit der Kain-und-Abel-Geschichte zu tun [deshalb auch die nur mit A und C beginnenden Vornamen der Protagonisten]. Erzählt wird [neben der Chronik der Hamiltons = Steinbecks Vorfahren] die Lebensgeschichte von Adam Trask [dem Vater der James-Dean-Figur] und dessen nicht immer ganz einfachen Beziehungen zu seinem Vater Cyrus, seiner Stiefmutter Alice, seinem Halbbruder Charles, seiner Frau Cathy und seinen Söhnen Aaron und Caleb. Die Handlung spielt überwiegend in Connecticut und Kalifornien der Jahre 1862–1918.