Herbstanfang

Liebe Su,

heute ertappte ich mich um kurz nach 6 Uhr morgens [mein Wecker war wie immer auf 10:30 Uhr gestellt] im Halbschlaf dabei, daß ich einen bestimmten Gedanken zum Songbook im Kopf hatte, nämlich einen bisher nicht auf dem Plan stehenden Liedertext (Ready to Roll) anstelle eines anderen (Living in the City) einzusetzen, weil er dem Aspekt der Geschichte, die ich dazu erzählen wollte, näherkommt und eigentlich, obwohl er viel kürzer und viel simpler ist, als Text sogar stimmiger sein dürfte. Dann machte ich Licht, schrieb eine kurze Erinnerungsnotiz auf den für diese Fälle neben meinem Bett plazierten Zettelblock, konnte danach aber nicht wieder einschlafen und hörte erstmal 40 Minuten Musik über Kopfhörer.

Dann versuchte ich weiterzuschlafen, was mir aber auch jetzt noch nicht gelingen wollte, und so beschloß ich, mir den frühen Morgen und die erfrischend kühle Luft draußen (11°) mal näher anzusehen und anzuspüren und ging zum Frühstückzutaten einkaufen um 7:30 zu Penny. Daß die Verkäuferinnen nicht vor Überraschung, mich um diese Tageszeit zu sehen, glatt umgefallen sind, ist mir immer noch unbegreiflich.

Zurück zu Hause – ziemlich müde – beschloß ich, zu frühstücken und dann erstmal an der mir im Halbschlaf gekommenen Idee weiterzuarbeiten. Mich nochmal hinlegen könnte ich später ja immer noch.

Und so geschah es. Und der Ready-to-Roll-Text ist nach eingehender Überprüfung jetzt ins Buch aufgenommen worden und soll im nächsten Jahr auch noch (mit Baß und Schlagzeug) für die Bonus-CD des Buches neu eingespielt werden.

Dann beschäftigte ich mich mit einem mir vor ein paar Tagen gekommenen Gedanken, über den ich bisher noch nicht entschieden hatte, nämlich ob ich ein bestimmtes Lied (On-the-Road-Friends) mit ins Buch aufnehmen sollte, weil ich kein anderes habe, welches mir sonst so gut das Stichwort liefert, um über meine Urlaubsreisen in den 70er Jahren berichten zu können: nach London, Paris und Amsterdam.

Und nachdem ich den Text gefunden hatte, versuchte ich, mich an die Melodie (geschrieben am 17. Januar 1975) zu erinnern und bekam das für die Strophen auch problemlos hin, und dann griff ich zur Gitarre. An die Melodie der Bridge konnte ich mich dagegen nur noch zu schätzungsweise 80 % erinnern und legte dann einfach neue 100 % fest. Und dann fing ich an, die Gitarrenbegleitung noch ein wenig zu arrangieren, und dann war es 11:30 Uhr und ich ging nochmal schlafen.

Zwei Stunden später war ich wieder wach, guckte erstmal, was der Tag noch gebracht hatte (ein Päckchen mit einem Briefwechselband von Astrid Lindgren), und dann nahm ich mir erneut die Bridge vor, arbeitete noch ein wenig an der Melodie und fügte auch dem Text noch vier, fünf Worte hinzu … und dann hatte ich ein weiteres Lied für meine Bonus-CD-Aufnahmesession in den Herbstferien beim Rammi fertig. Und um mein aktuelles Arrangement nicht zu vergessen, nahm ich das Ganze noch eben rasch mit einem einfachen Rekorder auf, und dann setzte ich mich hin, um diese Mail an dich zu schreiben.

Ich bin sehr glücklich, zwar etwas müde, aber das stört nicht weiter. In einer halben Stunde muß ich zum Gitarrenunterricht nach Rheinhausen, und ich freu mich drauf. Bisher war es ein ungewöhnlich abgelaufener, jedoch vom Gefühl und Ergebnis her perfekter Tag.

Künstlergrüße nach Jena von Pelikan